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Sonntag, 15. August 2010

der alte Besen . .


eine kleine sinnbildhafte Geschichte 
für Kinder und Erwachsene

Es war einmal . . . ein Besen. 
Ruppig, struppig und zerfranst stand er
im Schuppen einer alten Frau. 


Tag ein. Tag aus.

„Was für einen Sinn hat es eigentlich, 
hier ewig und eins herumzustehen?“ 
dachte der alte Besen,
„meinen Diensten bin ich immer treu gewesen . .
ich habe gefegt und gefegt und mich in
Dreck und Staub gehüllt - wie es sich eben
für einen Besen gehört und habe die saubersten
Ecken hinterlassen, dass es mir eine reine Freude war
. . ja . . und jetzt . . jetzt . . ?“

Der Besen war nicht das erste Mal dabei, darüber nachzugrübeln, was denn jetzt sei?
Etwas machte ihn sehr ungeduldig und unzufrieden, 
obwohl er - wie alle alten Besen –
ein langmütiger Geselle war.
„Nicht mal für Kleinholz war ich der Alten gut!
Dabei bin ich doch aus bestem Holz! 
Na, von meinen Borsten ist nun wahrlich 
nicht mehr viel über geblieben . . .
- mir muss in der Tat doch mal langsam
etwas einfallen . . “

Mit diesen Gedanken, die er laut ausgesprochen hatte, 
verfiel er wieder ins Grübeln und
Schweigen und kam zum 100sten Mal auf eine Idee, 
die er jedes Mal, wenn sie auftauchte,
von sich weg geschoben hatte. Nun breitete sie sich
in seinem ganzen Stil samt Borsten aus.

„Wenn ich schon nie wieder fegen kann und wenn
ich selbst nicht fürs Feuerholz genommen
werde“, find er wieder laut zu denken an, 
„dann kann ich doch auch gleich ein Leben führen,
was nichts mit Fegen zu tun hat und mir trotzdem 
Spaß macht . .
Nicht, dass Fegen nicht mein Ein und
Alles gewesen ist, doch . . doch . . 
Staub und Fusseln und Dreck sind ja die 
wahre Wonne für mich und je mehr, 
desto besser. . . aber ein junger Fegebesen
bin ich nun einmal nicht mehr
und vielleicht, vielleicht . . wer weiß denn das
schon genau . . irgendwer hat es einmal 
irgendwann erzählt. . . und es mag doch sein, 
dass . . .ich muss es einfach einmal probieren!“
Und mit diesen Worten rappelte er sich mit 
einem Ruck auf und streckte und reckte sich,
soweit ein Besen mit einem Stiel sich strecken kann.
Seine Stattlichkeit sah man ihm immer noch an
und wären nicht an seinem unteren Ende 
die wenigen - in alle Richtung weisenden -
Borsten gewesen - so hätte ihn jeder
für einen guten Feger gehalten.
In dem Augenblick nun, wo sich der Besen
entschlossen hatte zu bewegen,
geschah etwas Seltsames mit ihm. . .

Dazu müsst ihr wissen, dass ausgediente Besen
so lange nichts von ihren Armen und Beinen wissen,
bis der Wunsch irgendwann in ihnen übermächtig wird, 
nicht mehr länger in den Ecken herumzustehen.
Genau das tun ja viele der alten Besen mit einer Geduld,
die nur alten Besen zu eigen ist
- zugleich hoffnungsfroh wartend auf Wer-weiß-was! 
Bis es dann auch ihnen eines Tages zu viel wird
und ihr Geduldsfaden reißt.
Denn das Letzte, was sie in Erwägung ziehen würden
– um stattdessen lieber in Traurigkeit zu versinken
– ist, sich auf die Socken zu machen - einfach so. 
Aber wenn sie nicht aufgeben und wenn sie
alle Bedenken beiseite fegen, ja, fegen! -
denn darin sind sie auch im Geiste gut –
und an sich glauben, auch ohne Füße und Beine
und Arme, dann . . .und nur dann! 
ist es wie ein Britzeln und Bratzeln
in ihrem unteren Stil und in Null-komma-nichts 
wachsen ihnen die schönsten hölzernen 
Beine und Füße, die der beste Tischler 
nicht besser machen könnte.
Und während so einen Besen ein ganz neues 
Lebensgefühl erfasst und er aus dem Verwundern 
nicht herauskommt . . da britzelt und bratzelt es 
auch schon im oberen Teil des Besenstils 
und Arme entstehen – schlank und schön -
die sofort benutzt werden, um vor lauter Freude 
die Hände über dem Stil zusammenzuschlagen.

„W .. wa . . was ist das, was ist das . . wie wird mir?“
der Besen konnte sich kaum noch einkriegen.
Wie alle seine Vorgänger und sämtliche ausgediente Besen 
auf der Welt, die es bis zu Armen und Beinen schaffen 
– und glaubt mir, bis heute waren es nicht allzu viele
- war er von Entzücken erfüllt.

„Ist es also wirklich wahr? Sollte ich jetzt . .
nach meinem lebenslangen Fegedienst noch einmal 
etwas ganz und gar Neues erleben?
Gewünscht und vorgestellt  habe ich`s mir ja 
insgeheim immer . . und wie!
Und nicht aufgeben war ja seit eh und je 
auch mein Leitspruch, schließlich bin ich aus härtestem
und solidestem Holz gefertigt!
Aber dass es nun tatsächlich . .  so was aber auch . .
ich wusste es aber wohl doch . . .“

Und während er noch so fassungslos vor sich hinmurmelte,
bewegte und probierte er behutsam seine neuen Glieder, 
um sich dann vorsichtig seinen Weg durch all die verstaubten Gegenstände zu bahnen.
Es ging ganz leicht, viel leichter als gedacht!
In seinen Träumen hatte er es ja  nicht lassen können,
es sich genau vorzustellen und darin zu schwelgen.

Und so begann für den alten Besen
eine abenteuerliche Reise,
die einen so überraschenden Anfang genommen hatte 
und die ihn - und das erzähle ich euch ein anderes Mal – 
bis ins Mark verjüngte mit Stil und Borste 
und ihn seine inneren und äußeren Besenwelten 
erforschen und entdecken ließ bis in alle Ewigkeit.

Die alte Frau aber war glücklich über die Wahl,
die ihr alter Besen getroffen hatte.
Sie hatte ihm zugetraut, eine Entscheidung zu treffen, 
die ihn in ein abenteuerliches und vor allem  freies und selbstbestimmtes Besenleben tragen würde.

 Wer weiß, wo er gerade herumschwirrt?

Das ist zwar nicht besagter alter Besen in dem alten Schuppen -
aber der ist ja auch längst über alle Berge

Kommentare:

  1. .... wie schön, daß du wieder da bist. Hast mich richtig neugierig gemacht auf die neuen Arme und Beine des alten Besen. Ich hoffe, ihn mal zu treffen, den alten Schlawiener. Bald kann man ihn nachts wieder hören, wenn er durch die Straßen fegt.
    Mut, eine andere Spur zu gehen oder erst eine neue zu treten mit den neuen Füßen, den können wir gebrauchen.
    Herzliebe Grüße
    hier bin ich
    udele

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  2. Tja, ihm sind wohl wirklich wieder neue Borsten gewachsen, keine Frage. Aber damit fegt er nicht mehr, der Schlawiner, das ist auch vorbei, liebe Udele. Dreck und Staub haben auch mal ausgedient, auch für einen alten - jetzt wieder jungen - Besen!
    Hihi. Süß ist sie, die Geschichte, aber auch der hammer für so einen alten Besen, Daniel . .

    Es grüßt während des Britzelns und Bratzelns
    Viola

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